Emotionsfachkraft gesucht! Jetzt!

„Kriegst halt keine Leute – Fachkräftemangel“. Was soll das denn bitte heißen? Bis 2035 benötigen wir 400.000 Fachkräfte mehr pro Jahr um unser aktuelles Niveau an Erwerbstätigen zu halten, so heißt es. Und wenn nicht, sinkt das Potenzial um 7 Mio. Erwerbstätige, sagt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Das sind super Aussichten und starke Worte einer starken Studie. „Fachkräfte“, „Erwerbstätige“ – fällt dir noch ein besserer Begriff ein? Für das, was du täglich tust – an dem Ort, an dem du so viel Zeit – Lebenszeit verballerst?

Wo sind denn eigentlich alle hin? Verkriechen sich alle in Sabbaticals, Aussteigermodellen, Weiterentwicklungsprogrammen, in sozialen Projekten? Spielt Geld überhaupt noch eine Rolle, ist Work-Life-Balance im Vordergrund. Schön wär´s! Und wer sind diese Fachkräfte eigentlich? Dass wir keinen grundsätzlichen Nachwuchs und Bewerber haben, stimmt ja so auch nicht. Wälzen Unternehmen die Verantwortung an die Ausbildungsstätten und Universitäten immer noch ab um ihre Fachkräfte zugeschustert zu bekommen? Suchen sie ihre sogenannten Fachkräfte immernoch nach Schema F? Die Möglichkeiten, die der „Erwerbstätige“ in dem Unternehmen selbst erst hat, macht ihn doch erst zur eigentlichen Fachkraft. Alles fraglich, denkst du nicht? Bisschen grob profan und pauschal. Der Fakt, dass eine Stelle nur noch eine fachspezifische Stelle ist, die mit Qualifikation AB durch XY zertifiziert und belegt ist - natürlich auch geprüft ist - ist schon lange keiner mehr. Also ohne „Fach“. Dass mich in den letzten 8 Jahren jemand nach meinen Zeugnissen gefragt hat, die mein Fach belegen würden, liegt zum Glück an Folgendem und machten diese mich doch vorher noch zu einer sogenannten „Fachkraft“, oder wer bin ich?


Es kommt auf andere Dinge an. Die Frage nach emotionaler Intelligenz und dem „ins-Team-passen“ wird immer größer, ist präsent. So gut! Was aber die Antwort ist, ist ein Fordern von immer mehr und zusätzlichen Möglichkeiten, Leistungen, der persönlichen Entwicklung. Direkt jetzt stellt sich die Frage nach dem Ei und dem Huhn. War da erst die Frage oder schon die Antwort auf dem Tisch? Die GenZ ist ja nicht nur gefühlt nervig, sondern für unsere Generation einfach wahnsinnig heraus-fordernd. Sie wollen Emotionalität, die wir von unseren Nachkriegs-Eltern, oder Großeltern, nicht beigebracht bekommen haben. Glaubenssätze, wie „Heul nicht!“, „Da muss man auch mal durch!“ und „Wir haben keine Zeit!“ prägen unsere Generation. Eine Generation, für die Veränderung, nicht mehr nur durch ihr biologisches Alter, auch durch ihre oft damit verbundenen Anpassungsmöglichkeiten und Kapazitäten, einfach schwerer ist, als für den Nachwuchs in den 20ern. Ich zumindest lebe seit 1980 auf diesem Planeten und habe es mir schön mollig warm eingerichtet mit den Dingen, die mich prägen. Dass ich mich also noch einmal komplett umorientiere und Facharzt der Gynäkologie oder Zirkusdirektor werde, ist eher unwahrscheinlich bis unmöglich, oder? Also nochmal: wer oder was ist eine Fachkraft? Und wieso mangelt es an diesen Menschen, wo wir doch einer Überbevölkerung trotzen.

Wie wollen wir den Fachkräftemangel aus- oder glattbügeln? Was können wir tun, um zum Beispiel GenZ an Bord zu holen. Was brauchen sie? Normale Teambuilding-Maßnahmen und Workation helfen nur temporär, haben keinen Langzeitfaktor für Loyalität und Bindung. Äpfel, Lunchtime und die Weinbar am Freitag reichen nicht mehr. Die, von den oben sogenannten Erwerbstätigen, geforderte Emotionalität, kann keiner erzwingen, aber das ist das, was alle sich wünschen und brauchen! Wir brauchen ein Gefühl der Sicherheit und Wärme an den Orten, an denen wir immer noch mehr Zeit verbringen, als mit unseren Familien und an diesem Ort, auf diesem Planeten, der gerade mehr als dazu einlädt, sich in den Überlebensmodus zu verabschieden.


Die Unternehmen in meinem Umfeld haben zum Glück schon größtenteils verstanden, dass die menschliche Ressource durch Emotionalität getriggert und gelenkt werden darf. Das fordert Mut, das fordert die Bereitschaft über Ängste zu sprechen, über Scham, Schuldgefühle und am Ende über das schöne und auch schwere Wort: Verantwortung. Denn je mehr wir davon herstellen, desto mehr kommen wir in einen Zustand des Wachstums und Kreativen Schaffens. Des wirklichen Wachstums und nicht einfach nur des technischen Fortschritts. Da, wo Menschen begeistert werden, in ihren Ressourcen surfen, bleiben sie langfristig fröhlich und gesund. Dort, wo wir Kooperation statt Konkurrenz einsetzen. Demut, Empathie und Adaptivität mehr gefragt sind, als Durchsetzungsstärke und Ego.


Und ja, klingt mühsam, aber hey, es gibt Möglichkeiten und du kannst darüber nachdenken, dir einen Feng-Shui-Berater, einen Feel-Good-Manager oder einen Life Coach ins Unternehmen zu setzen, der die Menschen miteinander verbindet, der sie in Verbindung mit den Unternehmenszielen bringt. Ohne die Menschen in deinem Unternehmen dabei in ihren Möglichkeiten zu übergehen, sondern in ihren Kapazitäten und Qualifikationen in die Verantwortung und ins Reich der Ideen und Visionen surfen zu lassen. Ich jedenfalls reite mein Pferd jetzt ins Universum. Oder ich hole die Kuh vom Eis. Die darf nämlich jetzt fliegen.

That´s so f*** possible! I belief!


Deine Barbara Mai


110 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen