Vom Surfen & von Wiedergeburt

Ich feiere mit Dir meinen Geburtstag! Hoch die Hände, Wochenende! Normalerweise und hierzulande feiert man ja an diesem einen Tag, an dem du geboren wurdest. In Erinnerung an deine Geburt. Und somit jedes Jahr aufs Neue. Immer an diesem einen Datum. Ergo eine ständige Wiedergeburt! Meine Schwester feiert an ihrem Geburtstag gern mit und in einer ganzen Woche. Ist das nicht auch in Indien beim Heiraten so? Ich surfe mit dir ab heute durch meinen Geburtstags-Monat. Immer etwas mehr, immer etwas lauter, immer ein bisschen „living on the edge“. So ist mein Leben als äusserst emotionaler, empfindsamer und extrovertierter Mensch. Das darf man nicht in seiner Profession als Coach? Man sollte „durchlässig“ im Coaching sein, emotional ausbalanciert, immer schön rational, sachlich in der Erwachsenen-Haltung. Puh! Manchmal erlaube ich mir zu glauben, dass das Leben eher darum geht, den ganzen Tag sein inneres Kind austoben zu lassen und zu feiern. Ja, privat! Dann möchte ich Schuld, Scham und Angst ganz ablegen und eine riesige Einladung aussprechen, dass alle kommen und mitfeiern. Und dann sollte nicht etwa "dein Kind Heimat finden", sondern dein Erwachsener mal in die Hocke zum Kasatschok-Tanz gehen. Gehst du auf die Einladung ein? Willst du feiern?

Es gibt an Geburtstagen ja verschiedene Formen des Feierns. Nicht nur mit Kasatschok- oder anderen wilden Tänzen, lauter Musik und vielen Freunden und Familie in meinem Fall. Kinder toben dann im Garten, spielen "Bello-Bello-Mein-Knochen-Ist-weg" oder Topfschlagen, Eierlaufen,..sowas. Vielleicht aber auch Sackhüpfen und Verstecken! Erinnerst du dich ans Verstecken spielen? Einer zählt hinterm Baum bis 10, verschließt mit den Händen seine Augen, fest glaubend, auch er werde nicht gesehen. Nun müssen alle losrennen und sich ein Versteck suchen, in dem man hoffentlich als Letztes gefunden wird.


Im Coaching begegne ich Menschen, die suchen. Sie suchen sich selbst, und finden sich in meinem Fall im Wald, in Hamburgs schönsten Wäldern. Dass eine Suche immer bedeutet, dass man sich irgendwann verloren hat, erscheint dir logisch? Manchmal ist das auch bei mir so, wenn ich mit mir selbst quasi Verstecken spiele. Und oft habe ich dann keine Zeit mehr, bis 10 zu zählen, weil ich mich schon versteckt, ergo verloren habe. Vielleicht höre ich noch die 5, bevor ich abschmiere und dann gilt es zu surfen. Surfen, da das Leben in Wellen verläuft, wie meine Schwiegermutter mir einmal in einer schwierigen Phase sagte. Das Surfen habe ich dann für mich erfunden, damit es nicht so schwer ist, wenn ich wieder abschmiere. Abschmieren ist wiederum ein Wort, das ich aus Nächten der Feierei kenne und für Momente etabliert habe, in denen ich die Welle nicht so gut reite, einfach nicht mehr richtig bei mir bin. Damit meine ich klar, liebend und glücklich in und mit meinen Emotionen, Gedanken und in meiner Physis. Manchmal passiert das sogar um jeden verdammten Vollmond herum. Und dann geht es darum, zu surfen: In Emotionen, im Auf und Ab der Gefühlswelt und dem nebulösen Gedanken-Wirrwarr. Dann gilt es hinzuschauen, hineinzufühlen und anzunehmen. All den „Kram“, auf den man eigentlich wirklich, ja wirklich, keinen Bock mehr hat, oder sich denkt:„nicht schon wieder!“ und „das war doch alles schon.“. Sind diese Wellen dann Muster? Abstellbar? Es gibt viele Coaches, die dir versprechen, alles scheinbar so Extreme, Toxische oder Negative, in sogenannten Coaching-Programmen komplett aufzulösen, endlich ganz glasklar und vollständig geheilt zu werden. Alles, wirklich alles, vergeben zu können und im Himmel sei Jahrmarkt. Geht es nicht eher darum, diese Wellen zu sehen, zu fühlen und anzunehmen? Zu akzeptieren und zu lieben, was ist und sei. Immer wieder zurück zu sich zu kommen, sich zu finden, also wiedergeboren zu werden? Entscheidungen zu treffen im Hier und Jetzt - mit offenem liebenden Herzen? Für mich ist das eine Lösung, auch wenn ich eigentlich garnicht surfe und vom Wellenreiten keine Ahnung habe.


Beim Verstecken allerdings, schafft man es ja manchmal schon bei der Zahl 5 an einen sicheren Ort, das Versteck zu finden, an dem man vielleicht auch erstmal nicht gefunden werden will und werden sollte, damit man sich eben selbst findet. Verstehst du? Wenn du hinter deinem großen Rhododendron hockst und einfach atmest, leise, leise. Vielleicht schließt du sogar, wie oben beschrieben, die Augen, weil du glaubst, dass dich dann auch niemand wirklich sieht. Und dann kommt der große Überraschungsmoment, wenn du dich wieder (gefunden) hast. Erinnerst du dich noch, wenn dann alle fröhlich kreischend „Hab dich!“ riefen und du die Letzte Gefundene warst? Der große Moment, wenn du entdeckt wurdest und du selbst und alle schallend lachend vor Freude und Glück jubilieren? Für diesen Moment bin ich dankbar und glücklich. Ich jubiliere und feiere das Leben, diesen Wiedergeburts-Moment, oft schamlos und mutig. Laut, emotional und begeistert, als wären all die anderen Versteck-Spieler auch dabei. Sind sie ja auch. Got it?

Am liebsten feiere ich aber wirklich, also wirklich, mit allen, die ich liebe an meinem Geburtstag! Dankbar für das, was meine Eltern, und so viele mehr - der liebe Gott - mir geschenkt haben. Ich feiere das Leben. Nicht nur an jedem 1. Mai, wenn ich mich wieder selbst gefunden habe, wiedergeboren bin, - vielleicht in jedem Jahr ein bisschen mehr weiß, warum ich hier bin. Und wenn nicht, zu akzeptieren, dass ich es gar nicht weiß, aber liebe, was ist.


Danke, liebe Mami!


Auf die Liebe! Und das Leben! Und das Glück!

Bis ganz bald & Attacke!


Deine Babsi Mai




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